Katze mit Geweih in Lichterkette

5. Advent

Schule bereitet auf das Leben vor?!

Letzte Woche hast du etwas über deine Rolle als Lehrperson aus der Sicht deiner Schüler und Schülerinnen erfahren. Heute geht es darum, wie Schule uns schon jetzt ohne große Systemänderung auf das Leben vorbereiten kann.

Wie Schule auf das Leben vorbereitet?

In der Schule wird mehr vermittelt als nur Unterrichtsstoff. Wir lernen miteinander zu interagieren und zu kommunizieren, uns zu behaupten und unterzuordnen. Und so wie wir Menschen nicht, nicht kommunizieren können, ist es auch beinahe unmöglich, nichts zu lernen. Lebewesen sind auf Lernen programmiert, und das so stark das Lernen und Wachstum per Definition Leben bedeuten. Also was lernen wir dann aus unserer Schulzeit?

“ Aus meiner Schulzeit sind mir nur meine Bildungslücken geblieben.“ – Oskar Kokoschka

Was bleibt wirklich?

Frage dich selbst, was ist dir aus deiner Schulzeit geblieben? Bei den meisten werden es Erinnerungen sein, Szenen und vor allem eines eine gewisse Einstellung zu uns selbst und der Welt.

Was beleibt den 15, 16, 17, 18, 19 oder 20-jährigen jungen Menschen die die Schule verlassen, dann, wenn es nicht die Bildung ist?

Die Erfahrungen und Einstellungen sich selbst und der Welt gegenüber.

„Der Mensch wird am DU zum ICH.“ – Martin Buber

Du vermittelst den Kindern und Jugendlichen, was du über sie denkst, für wie fähig du sie hältst und wie wertvoll sie sind, ob aus ihnen etwas wird, wie viele Chancen sie für die Zukunft haben usw. 

Das ist immer noch alles sehr abstrakt, ich möchte dir ein Beispiel einer Lehrerin erzählen, die nur das Beste für ihre Schüler und Schülerinnen will.

Situationsbeispiel

Am Beginn jeder Stunde machte sie eine Stundenwiederholung, damit die Schüler mit dem Lernen dranblieben. So müssten sie für die Tests weniger büffeln, war die Lehrerin überzeugt.

Damit der Kreislauf in Schwung kommt, die Disziplin gefördert und sie aufs spätere Leben vorbereitet werden mussten die Kinder und Jugendlichen, die sie unterrichtete, immer aufstehen, wenn sie dran waren.

Lehrerin: „Susanne, steh bitte auf.“
Nachdem sie aufgestanden war, fragte die Lehrperson weiter: „Bitte, nenne mir die Hauptstadt von Nigeria?“
In Susannes Kopf begann es zu rattern: „Mist, genau die merk ich mir nie; irgendwas mit A klingt so ähnlich wie ein Name; …“
Lehrerin: „Susanne, ich warte.“
“ Abdula, oder?“, entgegnete Susanne mit sehr unsicherer Stimme.
Lehrerin darauf, enttäuscht sie hatte sich letzte Stunde so viel mühre geben, mit erzürnter Stimme: „Was fällt dir eigentlich ein? Hast du die letzte Stunde nicht aufgepasst, setzt dich!“
Susanne setzte sich geknickt hin und war traurig noch ein Minus in der Mitarbeit.

Die Lehrerin hatte bedenken das der Haufen an Schülern und Schülerinnen es jemals schaffen könnte erfolgreich zu sein. Denn so undiszipliniert wäre sie nie durch ihr eigenes Studium gekommen.

Was löst dies in Susanne aus?

Doch anstatt das Susanne das Verhalten ihrer Lehrerin helfen kann, was sie ja auch eigentlich möchte, gibt sie ihr folgenden Blick auf sich selbst und ihr Umfeld.

  • Ich muss für Geografie mehr lernen als für alle anderen Fächern
  • Immer diese ewigen Stundenwiederholungen, das stresst total.
  •  Ich muss mehr lernen, härter Arbeiten, um meine Ziele zu erreichen.
  • Ich habe Angst vor anderen Menschen zu sprechen, mir ist das Aufstehen immer so unangenehm.
  • Ich hasse es, im Unterricht aufzustehen.
  • Ich muss den Wünschen anderer nachkommen, sonst werde ich nicht wohlwollend gesehen.

Hieraus entstehen nicht nur Selbstzweifel, sondern auch das Gefühl von Ohnmacht, Machtlosigkeit, Versagens, Wertlosigkeit usw.

Warum ist das so?

Susanne muss sich beim Sprechen vor den anderen eher mit Emotionen wie Angst, Furcht, Scham, Enttäuschung und Ablehnung auseinandersetzt und macht so keine guten Erfahrungen.

Was passiert dadurch?

Das führt dazu, dass sie das Reden vor anderen immer mehr ablehnen wird. Da unser Gehirn Situationen emotional abspeichert.

Weiters kann es dazukommen, dass Susanne an dem Tag nicht mehr in die Schule will, vor dem Fach Schmerzen bekommt (Bauch, Kopf, …) oder häufiger immer nur an den Tagen krank ist, an den sie die Lehrerin hat.

Durch die benotete Prüfungssituation werden die Emotionen auch noch gefördert und es kann Prüfungsangst entstehen.

Was können zukünftige Auswirkungen sein?

Die Prüfungsangst kann Susanne das später Leben in vielen Bereichen erschwert. (z.B.: Führerschein, Ausbildungsabschlüsse,…)

Die Lehrperson programmiert sie also förmlich, ohne das zu wollen genau darauf, dass sie später nicht vor anderen Menschen sprechen möchte.

Das ist also genau das Gegenteil von dem, was die Lehrerin erreichen will.

Menschen speichern in ihrem Gehirn, Erfahrungen gekoppelt an Emotionen ab – so lernen wir!

Alternative Lösung für die Situation

Ich möchte hierfür die Komponenten des Beispiels möglichst unverändert lassen.

Nur diesmal fragt die Lehrerin Susanne, ob sie noch etwas aus der letzten Stunde weis. Nachdem Susanne nickt, bittet sie die Lehrerin aufzustehen und irgendetwas zu erzählen, dass sie sich gemerkt hat vom letzten Mal.

Susanne erzählt einiges, ja die Hauptstadt von Nigeria war nicht dabei. Doch das stört die Lehrerin nicht. Sie bedankt sich bei der Schülerin und lobt sie dafür, dass sie sich einiges gemerkt hat. Die Lehrerin hätte trotzdem gerne das ihr ein Schüler die Hauptstadt von Nigeria verrät; so fragt sie in die Klasse: „Wer weiß, wie die Hauptstadt von Nigeria heißt?“ Sie nimmt einen Schüler, der aufgezeigt hat dran, bedankt sich für den richtigen Beitrag und fangt mit dem Unterrichtsstoff an.

Möchtest du noch mehr Lösungen und Ideen?

Susannes Lehrerin will für sie nur das Beste und sie tut, was sie kann.

Wenn auch du das beste für deine Schülerinnen und Schüler möchtest. Du deinen Unterricht und deinen Schulalltag verbessern willst, dann lass uns sprechen.

In meinen Mentorings und Kursen lernst du deine Schüler:innen wirklich zu verstehen, sie noch besser zu fördern und selbst weiter zu wachen.

Verändere das Leben deiner Schülerinnen und Schüler!

Kommentiere gerne hier oder auf Instagram & Facebook, wie du die Welt siehst und was dieser Text mit dir gemacht hat! 

Die wichtigsten Punkte habe ich hier für dich noch mal zusammengefasst. 

Julia Löschl

Julia Löschl

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